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Brief von Schülerinnen und Schülern der Klasse 9c, des Kestnergymnasiums, Wetzlar
Sehr geehrter Henning Pawel!
Unsere Klasse 9c möchte sich recht herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie und die Möglichkeit gegeben haben, Ihre beeindruckende Lesung verfolgen zu dürfen. Durch Ihre spannenden, dramatischen und persönlichen Berichte wurden wir in eine Zeit versetzt, die wir nicht aus eigener Erfahrung kennen. Es hat uns alle angesprochen und bewegt, einen so persönlichen Einblick in die Zeit der Nationalsozialismus zu bekommen.
Wir hoffen, dass es Ihnen Freude bereitet hat, uns von Ihren Erlebnissen zu erzählen. Ferner würden wir uns über einen weiteren Kontakt mit Ihnen sehr freuen und wünschen Ihnen für die Zukunft noch viel beruflichen Erfolg, auch bei der Zielsetzung, anderen Jugendlichen die Zeit des Nationalsozialismus nahe zubringen.
Lesung gegen das Vergessen
"Warte noch ein bisschen, mein Herzensjunge, bis die Stadt richtig brennt. Dann marschieren wir zu der Sammelstelle für Ausgebombte. In dem Chaos dort kommt kein Mensch auf die Idee, uns als U-Boote zu verdächtigen. Wir sind ganz normale, obdachlos gewordene Volksgenossen, denen alles verbrannt ist, (...)", so begann am Montag, dem 23. Mai der Autor Henning Pawel seine Lesung an der Kestnerschule Wetzlar. Die Klassen 6b und 9c hatten das Glück, von der Buchhandlung Kunkel am Dom diesen Lesungstermin des erfolgreichen jüdischen Autors vermittelt zu bekommen.
Durch seine spannenden Erzählungen und die mitgebrachten Zeitdokumente, wie zum Beispiel den Judenstern seines Vaters, diverser Judenausweise und der Lebensmittelkarte für Juden von seinem Großvater, wurden wir in die Zeit der Nationalsozialismus zurückversetzt. Der Autor las uns einige Passagen aus seinen Büchern vor, welche auf Erinnerungen des 61 Jähigen und ihm bekannten Zeitzeugen beruhen. Zu den Zeitzeugen gehörten u.a. auch Juden, die sich vor den Nationalsozialisten versteckten und deshalb auch U-Boote genannt wurden. Nachdem er an der Anthologie "Mädchen sind stärker" beteiligt war, schrieb er basierend auf dieser Geschichte "Miriam - Sternenkind". Das Buch blickt auf Miriams Leben zurück, das durch Krieg, Nationalsozialisten, und andere Schrecken geprägt ist. In einfacher Sprache führt das Buch dem Leser/Zuhörer die unsäglichen Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung einer jüdischen jungen Mutter in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges vor Augen.
Die Erzählung beschreibt anschaulich, dass es zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschafft bereits für untergetauchte Juden gefährlich war, sich längere Zeit an einem öffentlichen Ort, wie z. B. einem Bahnhof aufzuhalten, da man Gefahr lief, von fremden Personen bei der Gestapo angezeigt zu werden. In diesem Roman macht sich ein Bahnwärter diesen Umstand zu Nutze und lockt Miriam zu sich nach Hause, um sie dort zu vergewaltigen. Mit äußersten Mitteln kann die Protagonistin sich aus dieser Situation befreien und muss die letzten Kriegstage bis zur Kapitulation bestehen.
Mit bildlichen Worten zeichnete der Autor Henning Pawel weitere einzelne schreckliche Situationen im Alltag von Juden und anderen Verfolgten.
Diese Lesung hat unsere Klasse 9c tief und nachhaltig beeindruckt. Sein Ziel war es, uns einen Einblick in die Wirren eines politisch Verfolgten zu geben, uns mit Einzelsituationen zu konfrontieren, um dem Vergessen entgegen zu wirken. Da wir uns nicht in diese Zeit hineinverstzen können, war es sehr interessant und informativ, sich einen Zeitzeugen anzuhören.
Auch auf Fragen aller Art hat Herr Pawel bereitwillig geantwortet.
Eine derartige Lesung kann man nur jedem wünschen und weiterempfehlen.
(Klasse 9c: Melanie Klingler, Aleksandra Lauf, Lea Imschweiler, Severin Bause)
| Neben dem Schreiben sind
Lesungen in Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen und anderen Einrichtungen eine der Hauptbeschäftigungen von Jugendbuchautoren. Denn trotz Pisa und anderer Horrorszenarien gibt es sie noch immer, die grandiosen Frauen und Männer in den Schulen, in den Buchhandlungen, den Bibliotheken. Sie scheuen keine Mühe ihren Kids und Jugendlichen nicht nur Bücher anzubieten, sie schaffen es auch immer wieder, den dazugehörigen Autor aufzutreiben und sogar in die Schule zu holen. Lebendigen Unterricht nennt man so etwas, weil die Autoren, die in Schulen, Bibliotheken und anderen Einrichtungen mit ihren Büchern auftreten, in der Regel noch lebendig sind. Auch der Unterricht wird sofort viel lebendiger. Was muss man Biografien aus Büchern lernen, wenn sie der Dichter selbst erzählen kann. Wozu muss man rätseln, was der Schriftsteller gemeint hat, wenn er zur Verfügung steht und Auskunft erteilt. All die spannenden Fragen: „Wie macht man ein Buch? - einen Film? - ein Hörspiel?“ „Gibt es diesen Menschen wirklich, diesen Helden, diesen Abenteurer, diesen herrlichen Hund, der die Kindheit so verschönt hat, diese tapfere Frau, die geheimnisvolle Landschaft?“ „Hast du das alles selbst erlebt oder ‚nur’ ausgedacht?“ „Bist du wirklich zweimal sitzen geblieben?“ „Darf man eigentlich Fehler im Diktat machen, wenn man Schriftsteller werden will?“ „Muss man unbedingt studieren oder geht auch ein anderer Beruf. Zum Beispiel Konditor, weil lesen zwar schön ist, Kuchen aber auch herrlich schmeckt?“ „Wie viele Millionen hast du schon mit deinen Büchern verdient? „Hast du Hitler persönlich gekannt?“ „Wie bringt man seine Texte bei den Verlagen unter?“ „Darf ich dir mein Gedicht mal vorlesen und wenn es dir gefällt, bringst du es raus?“ Was für interessante Fragen und wie viele beglückende, spannende Erfahrungen und Erlebnisse bei den Lesungen. Nicht nur für die Kinder und jungen Erwachsenen. Auch für den Autor ist es immer wieder aufs neue eine Herausforderung, vor Kindern und Jugendlichen Rechenschaft abzulegen über seine Arbeit und deren Resultate. Und zwar so überzeugend, dass zumindest ein Teil des Auditoriums nach der Lesung loszieht, in die Bibliothek, in die Buchhandlungen und dort nach den Büchern von Henning Pawel verlangt oder nach denen anderer Autoren, die man bei seinen Lesungen eben auch benennt. Doch vor der Lesung ist erst einmal ein bisschen Mühe angesagt. Es gilt ja nicht nur einen Schriftsteller aufzutreiben, dann den Termin zu finden an dem er bereit und in der Lage ist zu kommen. Die Hauptsorge der Organisatoren gilt hier wie in allen anderen Bereichen zuerst einmal dem lieben Geld. Dann muss schwere Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die Kolleginnen und Kollegen an den Schulen müssen ja bereit sein, ihren Unterricht zu gunsten der Lesung zu tauschen bzw. ganz darauf zu verzichten. Der Direktor soll überzeugt werden, etwas aus seinem Budget locker zu machen; der geeignete Raum steht auch nicht sofort zur Verfügung. Doch wenn dann alles geklärt ist und der Autor vor Ort, dann kann die spannende Wanderung durch gute Bücher beginnen. Zu den Lesungen von Henning Pawel
Für die unteren Klassen arbeite
ich mit den
Büchern „Gut, dass es Saly gibt“ oder
„Saly und das Geheimnis
der schwarzfahrenden Katze“, beide im Thienemann Verlag Stuttgart
erschienen. Unter einer Lesung verstehe ich kein simples
Vorlesen.
Dazu bedarf es keines Autors. Ich erkläre das Entstehen eines
Buches
und meine Gründe es zu schreiben. Natürlich lese ich wichtige
Passagen vor und rede dann gerne mit den Kindern über den Text.
Oft
setzen sie aus eigenem Antrieb mit verblüffend viel Phantasie die
Geschichte eigenständig fort. Ich lasse die Kinder häufig
auch
aus meinen Hörspieltexten bzw. Drehbüchern lesen und stelle
ihnen
im Anschluss dann Auszüge aus dem produzierten Originalstück
(Kassetten, CD usw.) vor. Für die Klassen 5 - 8 lese und erzähle ich aus meinem Krimi „Das Geheimnis der Satanseiche“, spiele ein Stück des gleichnamigen Hörspiels ein. Ich lese und diskutiere ab der 6. Klasse
meine
Geschichte „Das U- Boot“ aus dem Buch „Mädchen
sind stärker.“ Die Lesungen werden prinzipiell auf die jeweilige Schulart abgestimmt, wobei die meisten meiner Texte für alle Schularten geeignet sind. Für die Klassen ab 8 bis zur 13 lese ich in der Regel aus meinen Romanen „Verbotener Sommer“, " Zwei Romeos für Julia" und nun auch aus meinem neuesten Buch, "Miriam-Sternenkind, eine Geschichte von Liebe und Leid". Ich stelle auch Ausschnitte aus meiner Publizistik vor, Kolumnen, Vorlesungen und sonstige Veröffentlichungen, Hörspiele, Sendungen usw. Mein neuer Roman „Miriam
Sternenkind“ erschienen im März
2005, wurde im Juni von Dtl.funk, Focus und Börsenblatt zu den
sieben
besten Büchern gekürt.. Es ist eine morderne Liebesgeschichte
für junge Leute, die in der Gegenwart angesiedelt, aber weit in
die
Nazizeit zurückreicht. Auch das Thema Stasi kann in meinen Lesungen behandelt werden. Anhand umfangreicher eigener Stasiakten und der Darstellung der tatsächlichen Hintergründe wird anschaulich gemacht, wie Menschen manipuliert, beobachtet und überwacht wurden. Aber auch wie diese Akten nach der Wende missbraucht und bewusst falsch interpretiert wurden und noch immer werden. Einen wesentlichen Schwerpunkt in meinen
Lesungen stellt
die Situation Heranwachsender bzw. junger Erwachsener zwischen 14
und
19 dar. Erst einmal so viel meinen zu Lesungen, liebe
Freunde.
Wer mehr wissen möchte, braucht sich nur zu melden.
Ich freue mich auf unsere Begegnung. Alle Leute in meinen Büchern,
ob nun zwei oder vierbeinig, freuen sich auch darauf.
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