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Warum schreibt Henning Pawel?

Wegen der Hoffnung. Schreiben ist Kampf gegen Hoffnungslosigkeit. Wer krank ist, einsam oder verlassen sollte unbedingt schreiben. Und schon sind sie da, all die Freunde, die Freuden, die herrlichen Erinnerungen. Sie tauchen auf, füllen das Papier, die Stube, das Herz.
Immer beim Schreiben überkommt Pawel Hoffnung. Sie kommt von all den unvergleichlich schönen, traurigen und lustigen Geschichten, die man im Laufe seines Lebens hört, sieht oder erlebt und denen man nur im Schreiben noch einmal nahe kommen kann. Und um all den Lieben wieder zu begegnen, die vor ihrer Zeit sterben mussten, nur weil sie jüdisch waren, schreibt Henning Pawel. Seinem Vater Hans, seiner Großmutter Cäcilie, seinen Onkels, Tanten, Cousins, Cousinen, besonders aber seinem Großvater Hugo, der ein besonders tapferer Mann war. Nicht nur im ersten Weltkrieg als Soldat. Auch als Familienvater, Unternehmer und als jüdischer Deutscher, der sein Land so sehr geliebt hat, dass er es nicht ertragen konnte, von hier fortzugehen. Diese seine Liebe und seinen Mut hat er mit dem Leben bezahlt. Er starb im Alter von fast siebzig Jahren, wie viele seiner Familie, in einem deutschen Konzentrationslager.
Henning Pawel schreibt auch gerne über Kinder. Über ihre Suche nach dem Glück, ihre Freuden und Leiden. Spannende und fast immer lustige Geschichten. Weil man das Leben nur auf drei Arten erleben kann: traurig, lustig oder langweilig. Henning Pawel hat sich für die lustige Art entschieden. Und er schreibt auch meistens so.
Henning Pawel hat verschiedene Berufe. Er flog von zwei Schulen. Und nur wegen der verfluchten ......tik. Jeder kann jetzt raten, ob es die Poli - oder die Mathematik war. Es war die Mathematik. Nach dem zweiten Rauswurf erlernte er den Beruf eines Reproduktionsfotografen und absolvierte nebenbei an der Volkshochschule das Abitur. Dann lernte er in einer Organisation, die GST hieß, das LKW-Fahren und arbeitete als Berufskraftfahrer.
Danach ging er studieren, -Jura. Und flog wieder raus. Diesmal nicht wegen Mathematik. Danach kletterte er wieder auf ein Auto und fuhr nun sogar einige Male mit seinem Laster bis in den Kaukasus, ein riesiges Gebirge am Rande Europas. Das ist jetzt fast vierzig Jahre her und dennoch, trotz dieser langen Zeit, bestehen noch Freundschaften dorthin. Die damals jungen Männer und Frauen sind wie ihr Freund in Deutschland um einiges älter geworden. Es sind Tscherkessen, Nogaier, Swanen, Grusinier, auch ein paar Armenier sind unter ihnen, Tschetschenen und Abchasen. Im Kaukasus leben Hunderte von Völkern. Hinter jedem Gebirgswinkel, fast in jedem Dorf lebt eine andere Nationalität. Fast alle leiden schon seit Jahren nicht nur Hunger und Not. Sie müssen auch um das liebe Leben fürchten. Im Kaukasus ist Krieg.
Und weil es Henning Pawel gut geht, er hat Arbeit, ein wenig Erfolg im Beruf hat er auch, ein Dach über dem Kopf und jede Menge Übergewicht, hilft er seinen Freunden im Kaukasus zu überleben. Das ist gar nicht schwer. Gajaneh, eine gute Freundin in Jerewan, verdient im Monat für sich, ihre alte Mutter und ihren arbeitslosen Sohn etwa acht Dollar. Ganze acht Dollar. Also noch nicht einmal soviel wie in Deutschland zwei mittlere Kinokarten kosten, ein Kasten Bier oder eine richtige Pizza. Nicht zu reden vom Taschengeld der meisten deutschen Kinder. Es ist schon ein gutes Gefühl seinen Freunden, denen es so unverdient schlecht geht, ein wenig weiter helfen zu können. Ihr jämmerliches Jahreseinkommen verdoppeln zu können mit der bescheidenen Summe von
80 oder 100 Euro ohne sich sonderlich krumm zu legen.
Auch über diese Leute dort unten schreibt Henning Pawel. Sie gehören zu seinem Leben wie er zu ihrem.
Also, man kann sagen, dass Pawel über das liebe Leben schreibt. Sein eigenes und natürlich auch über das anderer. Zu seinem eigenen wie zum Leben anderer gehören natürlich immer auch Tiere. Sie sind für Henning Pawel ebenso wichtig wie Menschen. Nichts, aber auch gar nichts kann im Leben die Freundschaft, Freude und Selbstlosigkeit eines Hundes erreichen, die Eleganz und Souveränität einer Katze, die Schönheit und Leichtigkeit eines Vogels, den Witz, und Gott behüte auch leider den Gestank eines Ziegebocks. Tiere sind lange vor uns auf die Welt geschickt worden als unsere älteren Geschwister. Und wie es sich für gute große Brüder und Schwestern gehört, haben sie uns in all der unendlichen Zeit treulich geholfen Menschen zu werden. Und wie haben wir uns bei ihnen dafür bedankt?
Auch deshalb, weil Henning Pawel all den Tieren, besonders jenen, die mit ihm gelebt haben und noch bei ihm leben, unendlichen Dank schuldet, schreibt er für und über sie. Und zum Schluss, aber nicht zuletzt: Henning Pawel schreibt auch oft über seine Frau. Edith Pawel ist Zahnärztin. Sie hatte unzählige Patienten, die alle, was ja nicht selbstverständlich ist, gerne zu ihr kamen. Aus der weiten Welt kamen sogar Menschen angefahren, um sich von Edith den Zahn ziehen oder behandeln zu lassen. Sie hat goldene Hände. Das kommt nicht nur von den zigtausend Goldzähnen, in denen sie herumgebohrt hat. Es hat besonders mit ihrem Können zu tun. Leider ist Edith krank geworden und kann keine Menschen mehr behandeln. Aber sie arbeitet trotzdem weiter. Zwar schaut sie nicht mehr in die Münder der Menschen, dafür aber in die Bücher ihres Mannes bevor diese veröffentlicht werden. Und das tut denen unheimlich gut.
Und über Freunde und Freundschaft schreibt Henning Pawel. Er hat wunderbare Freunde. Freundschaft ist für Pawel neben der Liebe das wichtigste und größte Gefühl. Verratene Freundschaft und falsche Freunde verursachen oft größere Schmerzen, als die schlimmste Krankheit. Gute Freunde und feste Freundschaft aber helfen gesund zu werden. Wie auch gute Bücher eine solche große Hilfe sein können. Aus all diesen Gründen schreibt Henning Pawel schon viele Jahre. Und so lange es geht, wird er auch weiter schreiben.


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