Henning Pawel zum Stasi-Sachverhalt
Erfurt, im Sommer
2005
Liebe Freunde!
Wie ihr vielleicht
wisst, wurden gegen mich Stasivorwürfe erhoben. Bezeichnender Weise
tauchen diese Dinge immer bei Anlässen wie besonders guten Rezensionen
meiner Bücher, Jubiläen und Literaturpreisen auf. Anders würden
die Absender dieser Schmierereien nicht die geringste Öffentlichkeit
finden.
Um es vorweg zu nehmen,
trotz größter Mühe konnte in all den Jahren kein Mensch
gefunden werden, der behaupten kann, ich hätte ihn denunziert. Aber
statt sich damit abzufinden, mussten regelrechte Lügner bemüht
werden, die erlogene Briefe an Zeitungen schrieben, diese dann aber
schon beim ersten Schreiben meines Rechtsanwaltes voller Angst zurückzogen
(siehe 5 : „Verleumdungen werden zurückgenommen“
- Brief von Jürgen Hultenreich und Erklärung von Friedrich Mäker).
(siehe 6: „Opfer
wendet sich gegen Henning Pawels Verfolger“ -
Brief von Dr. Klaus D.)
und (siehe 2:
„Autoren nehmen H. Pawel gegen Stasiverleumdungen in Schutz“ - Erklärung
von 12 Autoren, die Einsicht in meine Stasiakten und Aussagen von Zeitzeugen
nahmen.
Man scheute auch
nicht davor zurück, verleumderische Zitate zu fälschen, die die
Chefin der Gauckbehörde, Marianne Birthler, in einer Rede vor dem
Bundestag über mich gesagt haben soll. Hat sie natürlich nicht.
Wie käme sie dazu? Der Konstrukteur des Zitats, Mario Falke, lebt
in München und ist Betreiber einer prächtig gestalteten, sich
ungeheuer seriös gebenden, gleichwohl nicht wahreren Webseite, auf
der er sich als Fürsprecher von Stasiopfern aufspielt, obwohl ihm
für diese so wichtige Aufgabe jede menschliche und fachliche Qualifikation
fehlt. Er wurde sofort von der Berliner Gauckbehörde aufgefordert,
das völlig unwahre Zitat aus dem Internet zu nehmen.
Weil keine Reaktion
erfolgte, wurde er schließlich durch eine Verfügung des Amtsgerichtes
München dazu gezwungen. Kurz darauf etablierte er in seiner von einem
schier krankhaftem Geltungsbedürfnis getragenen gehässig – geschwätzigen
Art das bewusste Zitat erneut. Ich finde in seinen, von unsäglichen
und dummdreisten Anmassungen nur so wimmelnden Äußerungen, die
u.a. darin gipfeln, dass Falke viele meiner Freunde und Bekannte sogar
in der Nacht anruft und sie in seiner unverschämten Art belästigt,
wird sehr deutlich, wer hier Eigenschaften an den Tag legt, die eindeutig
denen entsprechen, die er vorgibt zu verabscheuen. Dieser Mann erlaubte
sich sogar meine 93 jährige Mutter, der die Nazis die halbe Familie,
nur weil sie Juden waren, umgebracht haben, in seine widerlichen Aktivitäten
einzubeziehen und sich Äußerungen über die alte Frau zu
erlauben.
Vergleichen Sie sämtliche Unterlagen und Akten der
Stasi und von Zeitzeugen über mich, sie sind im Anschluss zu lesen,
weitere sind in meinem Besitz, die jeder gerne einsehen kann, mit dem denunziativen
Geschmiere des Mario Falke, dann wird ganz eindeutig, um was für einen
Menschen es sich bei ihm wirklich handelt. Hinzuzufügen ist noch,
dass Mario Falke vor dem Amtsgericht in München in Gegenwart meiner
Anwältin und seines Anwaltes erklärte: " Eigentlich bin ich nicht
verhandlungsfähig." Meine Anwältin, die über dieses
aufschlußreiche Argument lächeln musste, wurde sofort drohenden
Blickes von Mario Falke belehrt. " Da gibt es nichts zum Lachen."
Diesmal hatte er sogar recht. Heulen über so viel
falsche Moral, Wichtigtuerei und Anmassung wäre weiß Gott angebrachter.
Auch neulich wurde wieder von Herrn Falke, als wäre
es eine sensationelle Neuigkeit, eine Erklärung, die ich vor mehr
als 27 Jahren an die Stasi abzugeben hatte, veröffentlicht. Die üblichen
Drohungen fehlten auch dieses mal ebenso wenig wie die obligatorischen
Denunziationen und Lügen. Um seinen beeindruckenden Drang zum Wichtigtuen
und zum Petzen nachzukommen, installiert Falke neuerdings all seine Sudeleien,
natürlich immer die selben Dinge, auch in diversen Internetlexica.
Ich habe nie verschwiegen, dass es solche Kontakte gab
und dass ich auch solche Erklärungen abzugeben hatte. Die Umstände,
in denen ich mich damals befand, könnt ihr im Anschluss aus meiner
Biografie und den Stasiakten entnehmen.
Natürlich wird in den Schmierereien Falkes, wie
stets das Entscheidende unterschlagen, nämlich dass trotz dieser Erklärung
genau das Gegenteil erfolgt ist. Ich habe über niemanden belastende
Dinge gesagt. Ganz im Gegenteil. Das ist, wie ihr lesen werdet, aktenkundig.
Wäre dem nicht so, hätten diese Leute in ihrer
Sucht zu denunzieren, man muss nur lesen was und wie niederträchtig
geschrieben wird, dieses längst veröffentlicht.
Um keinerlei
Irrtümer aufkommen zu lassen, Mario Falke, der Betreiber der bewussten
Webseite, obwohl er ständig den Anschein zu erwecken sucht, hat nicht
das Geringste mit der Stasiunterlagenbehörde zu tun. Ich stehe mit
der Birthler-Behörde Erfurt in Kontakt und kann jedem, dem durch solche
Menschen ähnlich zugesetzt wird, wirklich raten, sich dorthin zu wenden.
Nur dort sind Auskünfte zu erhalten, die weder verfälscht noch
in irgend einer Weise manipuliert sind. Auch bei den jüngsten, widerwärtigen
Verleumdungen habe ich mich sofort an diese Behörde gewandt und dem
für meine Akten zuständigen Mitarbeiter den Stand der Dinge mitgeteilt.
Im Anschluss an
diesen Text könnt ihr mehr zu der Problematik und Auszüge aus
meinen Stasiakten lesen. Die kompletten Akten kann ich leider nicht ins
Internet stellen. Es sind 100te von Seiten: Aber ich bin gerne bereit jedem,
der ein ernsthaftes und berechtigtes Interesse hat, Auskunft und jede Einsicht
zu gewähren. Lügnern und Verleumdern allerdings stehe ich nicht
zur Verfügung.
Zum
Sachverhalt: Ihr werdet anschließend lesen und auch sehen,
dass ich von der Stasi bereits in jungen Jahren, konkret seit 1965, also
mit 20 Jahren beobachtet wurde.
Ich flog von der Uni. Es wurde gegen mich der operative
Vorgang „Student“ eröffnet, dann kam laut meiner Stasiakte die
„Aktion Konfrontation“ hinzu. Beide Vorgänge liefen unter massiver
Stasibeobachtung über viele Jahre.
Es gibt jede Menge von Stasiberichten über mich,
die immer das selbe zum Inhalt haben, meine Einstellung zur DDR, meine
jüdische Herkunft, meine Haltung zu Israel. Meine Kontakte und meine
Kritik an den undemokratischen Verhältnissen sind ebenfalls immer
wieder aktenkundig gemacht worden.
Anlässlich
eines Familienfestes 1970, erschien die Stasi und verhaftete mich.
Ich wurde dort rund um die Uhr verhört. Und ich wurde, wie ihr weiter
sehen könnt, fast bis zur Wende beschattet, observiert und abgehört.
Operative Stasivorgänge
z. B. „Wer ist wer“ u.a. sollten in den achtziger Jahren meine Beziehungen
zu „staatsfeindlichen Elementen“ klären.
Telefonüberwachungen und Beschattungen gehörten
eben so zu meinem Alltag wie permanente Versuche der Stasi, mich zum Beobachten
von Freunden und Kollegen zu veranlassen. Wie ich damit umging ist klar
und deutlich aus meinen Stasiakten ersichtlich. Ich lehnte solche Ansinnen
ab oder unterlief sie einfach. Die Stasi empört sich über viele
Seiten meiner Akten über mein unkooperatives Verhalten.
Meine Kontakte zur Stasi begannen 1975. In diesem Jahr
floh einer meiner Freunde, ein hochbegabter Wissenschaftler, in den Westen.
Er war an streng geheimen Projekten der DDR beteiligt, besaß bereits
eine Reihe internationaler Patente und machte eine steile Karriere.
Er war mit seiner gesamten Familie heil im Westen angekommen.
Meiner Frau und mir aber wurde von der Spionageabwehr der Stasi unterstellt,
wir hätten von dieser angeblich durch den CIA vorbereiteten Flucht
gewusst.
Für meine Frau, die als Zahnärztin im Offiziersrang
bei der Nationalen Volksarmee arbeitete, war ein solcher Verdacht noch
viel gefährlicher als für mich. Gegen sie wurde ein Disziplinarverfahren
eröffnet und schlimmer noch, sie musste um ihre Kinder fürchten.
Meine Frau war in erster Ehe geschieden und ihr Exmann stritt mit ihr um
das Sorgerecht. Ein solcher Fall wäre der ideale Anlass gewesen, ihm
das alleinige Sorgerecht zuzusprechen.
Unser geflohener Freund nährte den Verdacht der
Stasi noch durch zahlreiche Anrufe bei Bekannten, auch bei solchen, deren
wir nicht so sicher waren, von denen ich auch mittlerweile aus den Akten
weiß, dass zumindest zwei von ihnen auf mich angesetzt waren und
von denen er uns zu allem Übel auch des öfteren Grüße
und Botschaften übermitteln ließ. U a. wendete er sich mehrfach
telefonisch über eine Dozentin, Waltraud. S., die mit dem Privatsekretär
Erich Honeckers verheiratet gewesen war, an uns. Zu diesem Zeitpunkt wurden
wir bereits abgehört und überwacht, was wir damals zwar schon
vermuteten, aber jetzt 28 Jahre später durch die Abhör- bzw.
Beschattungsprotokolle der Stasi genau wissen. Wenig später verließ
die Frau unseres Freundes die DDR, dann seine Schwester samt Schwager und
10jährigem Sohn. Wir waren völlig verwirrt und ratlos, wie so
etwas bei einem angeblich so brisanten Spionagefall möglich war. Ich
wurde in den Monaten danach häufig nach Berlin zur Stasi einbestellt,
um Telefonate mit dem Mann im Westen zu führen. Aus der Provinz waren
Telefonate nach drüben damals noch nicht möglich. Natürlich
war uns klar, dass die Gespräche abgehört würden.
Aber unser Freund war in Sicherheit. Wir jedoch waren
es nun wirklich nicht und sahen in den Telefonaten zumindest eine Möglichkeit
zu beweisen, nichts von seiner Flucht gewusst zu haben. Trotz
allem habe ich ihm mehrfach auf verschiedenen Wegen Warnungen zukommen
lassen.
(siehe 7: „Henning Pawel hat in größter Integrität
keinen Gebrauch von seinen Kenntnissen gemacht“ - Brief von Dr. Klaus D.
an die Braunschweiger Zeitung)
Die Kontakte zur
Spionageabwehr in Berlin erstreckten sich über den Zeitraum von etwas
mehr als zwei Jahren. Was die Stasi aus diesen Gesprächen verwerten
konnte und was nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Die prahlerischen
Erklärungen über die Aufklärung kommerzieller Menschenhändler-banden,
die angeblich von drüben aus operierten, glaubten wir ebenso wenig
wie all die anderen Legenden und Geschichten, die uns damals wie heute
noch immer aufgetischt werden.
Die örtliche Stasi erschien zwar immer wieder und
verlangte von mir als bei ihnen registrierter IM, Mitarbeit. Wie ich mit
solchen Forderungen umging, könnt ihr klar und eindeutig in den Berichten
der sogenannten Führungsoffiziere sehen. Ich wies sie ab oder unterlief
sie, eben so gut es mir möglich war.
(siehe 3: „ARD-Redakteure stellen klar: Wir sind nicht
bespitzelt worden“
Schreiben des
ARD- Journalisten Christian Oesterreich)
(siehe 4: „Moskauer Dissidenten: Edith und Henning Pawel
haben uns und unserer Bewegung sehr geholfen“ - Brief des ehemaligen
sowjetischen Oberstmathematikers und Dissidenten Prof. Dr. George Samoilovitsch).
Dem
gegenüber stehen aus dem Zusammenhang gerissene und von der Stasi
oft in selbstdarstellerischer Absicht geschriebene Aussagen, die nicht
das geringste an dem Sachverhalt ändern.
Bezeichnend ist natürlich
auch, dass in diesen Sudeleien alle meine von den sogenannten Führungsoffizieren
aktenkundig gemachten Versuche, mir die Stasi vom Hals zu schaffen,
meine aktenkundige Kritik an dem Regime und die Verweigerungen zur Zusammenarbeit
völlig unterschlagen werden. Ihr könnt die Meinung, welche die
Stasi über mich hatte, in den sogenannten Treffberichten der Führungsoffiziere,
immer wieder lesen.
Ich wurde von der Stasi ab 1975 nach der Flucht unseres
Freundes zuerst als VL IM (Vorlauf IM), dann als IM Oertel geführt.
Mehr zu diesem gesamten Komplex, zu den Hintergründen, Hintermännern,
deren Schwindeleien und Verdrehungen, ihren eigenen schuldhaften Verstrickungen,
nicht nur in Stasisachverhalte, stelle ich in meinen Lesungen aus den Stasiakten
und in umfangreichen Veröffentlichungen vor, die gerade vorbereitet
werden.
Ich
habe, um meinen Lesern diese Zeit deutlich zu machen, eine Art Biografie
erarbeitet, die ihr unter dem Titel „Leben mit der Stasi und danach“, ebenfalls
im Anschluss lesen könnt.
Dieselbe soll detailliert darüber Auskunft geben,
wie solch ein Leben wirklich ausgesehen hat mit der Stasi und nun
noch immer nicht ohne.
Henning Pawel,
im Sommer 2005
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